Wenn eine Generation geht

... und keiner merkt, wie laut es wird.


Sie gehen.
Nicht abrupt.
Eher wie ein Schatten, der sich jeden Tag ein paar Millimeter löst.

Man merkt es an den Zwischenräumen.
An den Mails.
Am Tonfall, der weicher wird,
und an Sätzen wie:

„Ich bin ab Sommer nicht mehr da.“
„Ich hab’s euch noch eingerichtet.“
„Danach seid ihr dran.“


Und während sie noch hier sind,
beginnt bereits das Fehlen.

Nicht absichtlich.
Sondern als zarter Rückzug
aus einem System, das Jahrzehnte lang
ihr Zuhause war.

Sie nennen es Übergabe.
Aber oft ist es nur ein Ordner,
ein Notizzettel,
eine Handbewegung, die sagt:
„Ihr schafft das schon.“

Was nicht ausgesprochen wird:
dass Loslassen eine Kunst ist,
die niemand trainiert hat.
Dass es schwer ist, einen Raum zu verlassen,
in dem man wichtig war.
Und noch schwerer,
nicht mehr gebraucht zu werden.

Was wir selten sagen:
dass Übernehmen genauso fragil ist.
Dass wir oft keine Landkarte bekommen –
nur eine Richtung.
Und die Verantwortung, den Boden
unter unseren Füßen neu zu verlegen.

Zwischen diesen beiden Bewegungen
entsteht ein Riss,
der kein Bruch sein muss.
Sondern eine Möglichkeit.

Ein Ort, in dem Resonanz wachsen kann,
wenn jemand leise beginnt zu sprechen.


Wenn du bald gehst:
Sag nicht nur, wo die Schlüssel liegen.
Zeig, welche Türen noch tragen.
Sag, was du gelernt hast –
und was du heute anders machen würdest.
Und bleib einen Moment still genug,
um die Antworten zu hören.

Wenn du bleibst:
Erwarte kein perfektes Terrain.
Aber wisse:
Du darfst gestalten.
Du darfst neu ordnen.
Du darfst die Linien ziehen,
die für dich Sinn machen.

Du gehst nicht allein in diesen Raum.


Vielleicht ist genau hier der Übergang,
in dem das Alte nicht mehr festhält
und das Neue nicht mehr flüchtet.

Sondern beides
für einen Atemzug zusammensteht.