Endlichkeit ist ein Geschenk

eine stille Schwellen-Notiz


Es beginnt selten mit einem Knall.
Eher mit einem leisen Verschieben im Inneren.
Ein Gefühl, das sagt: Hier endet etwas.

Nicht dramatisch.
Nur wahr.

Vielleicht ein Abschnitt.
Vielleicht ein Gedanke, den du zu lange getragen hast.
Vielleicht eine Version von dir, die keinen Platz mehr hat.

Wir lernen früh, das Ende zu bekämpfen.
Wir halten fest an Aufgaben, Rollen, Ordnern, Routinen.
Das System hilft dabei — mit Formularen, Zugangskarten, Übergabelisten.
Es macht Endlichkeit verwaltbar, aber nicht fühlbar.

Doch das Wesentliche war nie in diesen Strukturen.
Es lag immer im Dazwischen:
im Blick, im Tonfall, in der einen Geste, die niemand dokumentiert.
In dem, was nur existierte, weil du es gelebt hast.

Und genau deshalb schmerzt das Ende.
Nicht wegen des Verlusts.
Sondern wegen der Klarheit:
Dass nichts von dem, was zählte, jemals speicherbar war.

Vielleicht ist das der Punkt, an dem Endlichkeit wieder weich wird.
Nicht als Grenze, sondern als Raum.
Ein Atemzug zwischen dem, was war, und dem, was kommen will —
nicht planbar, nicht abhakbar, aber bereit.

Du musst es nicht festhalten.
Du musst es auch nicht loslassen.
Manchmal reicht es, still dazustehen
und zu sagen:

Danke, dass du warst.
Bis gleich.