
Die Logik der delegierten Monotonie
Systemnotiz – Beobachtung aus der Frontlinie der Wissensarbeit.
1. Das Phänomen
In Organisationen, die sich „Wissensgesellschaft“ nennen, entstehen seltsame Inseln aus stumpfer Handarbeit:
- Daten kopieren
- Tabellen füttern
- schlecht gepflegte Systeme ausputzen
- Prozesse bedienen, die längst automatisiert gehören
Diese Aufgaben sind nicht einfach lästig.
Sie sind Systemgeräusche.
Der sichtbare Hinweis, dass die glänzende Innovationsfassade Löcher hat.
2. Die vorgeschobene Rationalität
Theoretisch wäre Automatisierung die Lösung.
Praktisch passiert sie nicht.
Warum? Weil eine Stunde Student angeblich günstiger ist als eine Stunde Entwickler.
„Kostenoptimierung“, sagen sie.
In Wirklichkeit: Kurzfristdenken als Steuerungsprinzip.
3. Die wahre Logik
Unter der Oberfläche geht es nicht um Geld, sondern um Kultur.
- das Ritual der Anfängerjahre
- das Training der Unterordnung
- das Wegkonditionieren von Effizienzimpulsen
- das Erlernen der Prozesshörigkeit
Man nennt es „professionell“.
Es ist: Disziplinierung in Ineffizienz.
Das System sagt: „Folge dem Pfad. Hinterfrage nichts. Das Ergebnis ist zweitrangig.“
4. Fehlanreize als Fundament
Alle Beteiligten werden systematisch in die falsche Richtung belohnt:
Die Ausführenden:
Wer schneller oder klüger ist, schadet sich selbst.
Weniger Arbeitsstunden = weniger Lohn.
Also bremst Intelligenz sich aus.
Die Delegierenden:
Wer effizient ist, bekommt mehr Arbeit.
Nicht mehr Gestaltungsspielraum – nur mehr Last.
Das System schützt sich selbst, nicht seine Menschen.
5. Die externen Kosten
Die Rechnung zahlen andere:
- verschwendetes Potenzial
- Erosion von Motivation
- Sozialisation in Apathie
- zynische politische Haltungen
- stille Wut auf Strukturen, die nie lernen wollen
Ein perfekter Kreislauf.
Autopoietisch. Selbstverstärkend.
Blind für das, was es zerstört.
Reflexion
Am Ende bleibt eine einfache Frage:
Optimieren wir hier noch Probleme?
Oder optimieren wir nur die Hierarchie?
Die Antwort kennt das System längst.
Es spricht nur nicht darüber.