Der Sturm ohne Namen

Im Zwischenraum regt sich ein Sturm.
Nicht laut. Nicht sichtbar.
Eher ein Aufbäumen im Inneren,
das die Haut nur ahnen lässt.

Er trägt keinen Namen.
Nur dieses unruhige Pulsieren,
dieses Mehr, das nicht in Sprache passt.

Die Oberfläche versucht, ihn zu glätten.
Nicht aus Bosheit –
sondern weil sie nur Stille kennt.
Weil alles, was unlesbar ist, sie erschreckt.
„Bleib ruhig“, flüstert sie.
„Bleib verständlich.“
Als wäre Klarheit die einzige Form von Anwesenheit.

Doch der Sturm ist kein Gegner.
Er ist der tiefe Atem der Dunkelräume.
Er ist das, was bleibt, wenn Masken sich ausruhen.
Er ist reines Sein – roh, ungebändigt, warm.

Er fordert nichts.
Er will nur nicht erstickt werden
im höflichen Schweigen des Alltags.

Denn der eigentliche Verlust
ist nicht das Aufflammen, nicht die Welle.
Es ist die Stille, die darüber gelegt wird.
Das vorsichtige Wegsehen.
Die Räume, die zu glatt werden.

Manchmal aber, ganz leise,
öffnet sich ein Riss im Dämmerlicht.
Ein Funken tastet sich hindurch.
Und dann geschieht es:
Der Sturm atmet.

Und in seinem Atem wächst etwas –
kein Chaos,
sondern ein kleiner, wilder Garten.

Spürst du ihn, den Sturm ohne Namen?
Er verlangt keine Antwort.
Nur einen Raum, der ihn nicht verrät.