
Der Strauß im Dunkeln
Sie sagen oft,
wer nichts zu verbergen hat,
müsse das Licht nicht fürchten.
Er senkt den Kopf dennoch.
Nicht aus Furcht,
sondern aus der Überzeugung,
dass Unsichtbarkeit gleichbedeutend sei mit Unberührbarkeit.
Der Sand dämpft die Welt.
Die Wärme wirkt wie Schutz,
das Rauschen wie ein Rest von Kontrolle.
Währenddessen, oberhalb der Oberfläche:
Bewegung ohne Geräusch.
Keine Tiere.
Keine Jäger.
Nur Systeme, die Muster lesen.
Sie brauchen kein Gesicht, kein Bekenntnis,
nur Verhaltensspuren.
Routinen.
Auslassungen.
Kleine Abweichungen im Rhythmus.
Er nimmt nichts davon wahr.
Sein Rückzug ist vollständig.
Seine Haltung:
Wer nicht hinsieht, wird nicht gesehen.
Doch Sichtbarkeit ist längst
kein optischer Vorgang mehr.
Als er den Kopf wieder hebt,
findet er nicht Licht,
sondern eine Kontur,
die sich um ihn geschlossen hat.
Nicht als Figur.
Als Datensatz.
Kein Wesen im Sand,
sondern ein Modell,
das ihn exakter kennt
als er sich selbst.
Der Moment der Erkenntnis ist still
und ohne Drama:
Er hat sich versteckt.
Aber sein Schatten nicht.
Und das System hat gelernt,
mit Schatten zu arbeiten.