◫ JOPS – ZZ Paper 1

Das institutionalisierte Ja –
eine teilnehmende Beobachtung

Ein Autoethnografischer Beitrag zur unfreiwilligen Reproduktion organisationaler Paradoxien

Abstract

In einer Ära, in der Datenschutz und Autonomie als heilige Kühe der modernen Organisation gelten, untersucht diese Studie die subtilen Mechanismen, durch die Individuen in institutionellen Settings zu einer Art kollektiver Affirmation gezwungen werden – oft unter dem Deckmantel von Gemeinschaft und Wohlwollen. Basierend auf langjähriger Beobachtung in einer anonymen akademischen Einrichtung (hier als "Universität X" bezeichnet) wird beleuchtet, wie alltägliche Praktiken wie das Teilen intestinaler Statusmeldungen oder das Einholen von Einwilligungen für ewige Digitalisierung die Grenzen zwischen Freiwilligkeit und Zwang verwischen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ethische Prinzipien, die extern predigt werden, intern als optionale Dekoration dienen, solange die Illusion familiärer Harmonie gewahrt bleibt. Ironischerweise fördert dies eine Kultur, in der Ablehnung nicht als Recht, sondern als Affront gilt – ein Paradoxon, das die Studie mit trockener Präzision seziert, ohne je die Ernsthaftigkeit der Beteiligten zu verletzen. Die vorliegenden Ergebnisse sind zwar nicht generalisierbar, doch für jede andere Einrichtung erschreckend plausibel.

Einleitung

Organisationen, insbesondere jene mit einem Hang zu intellektueller Selbstreflexion, pflegen ein Narrativ ethischer Überlegenheit. Sie proklamieren Werte wie Nachhaltigkeit, Inklusion und Datenschutz, während sie intern Praktiken etablieren, die diese Werte auf eine Weise unterlaufen, die nur als "kreativ" bezeichnet werden kann. Diese autoethnografische Untersuchung greift eine spezifische Tradition in Universität X auf: das "Apero-Doodling", eine scheinbar harmlose Übung, bei der Mitarbeitende ihre kulinarischen Vorlieben und moralischen Positionen (z. B. "mindestens vegetarisch, idealerweise vegan") öffentlich dokumentieren. Ergänzt wird dies neuerdings durch eine Einwilligungsoption für die Nutzung persönlicher Fotos in der Institutionsgeschichte – ein simpler Klick, der rechtlich nebulos, aber sozial unvermeidbar wirkt. Die Studie fragt: Wie reproduzieren solche Mechanismen organisatorische Paradoxien, und warum fühlt sich Widerstand an wie ein Verrat an der "Familie"?

Methodik

Diese Studie basiert auf einer teilnehmenden Beobachtung über fünf Jahre, ergänzt durch autoethnografische Reflexionen der Autor:in. Die Datenbasis umfasst:

  • Fünf Jahre Apero-Doodles (N=214), in denen Teilnehmende ihre Verdauungssituation und ethisch-kulinarische Orientierung detailliert beschreiben, stets öffentlich einsehbar.
  • 37 explizite Zustimmungshandlungen (z. B. Klicks auf "Ja, mein Foto darf verewigt werden").
  • 89 implizite Zustimmungen, abgeleitet aus Non-Responses oder kontextuellen Hinweisen (z. B. das Fehlen einer expliziten Ablehnung in Gruppendiskussionen).

Die Analyse erfolgte qualitativ, mit Fokus auf thematische Muster von Peer-Pressure und impliziter Governance. Keine quantitativen Modelle wurden angewendet, da die Absurdität der Phänomene eine mathematische Formalisierung als überflüssig erscheinen ließ. Statistische Signifikanz wurde aus Gründen der Relevanz nicht angestrebt. Ethische Überlegungen: Alle Daten wurden anonymisiert; die Autor:in selbst ist Teil des Systems, was Bias zugibt, aber Authentizität gewährleistet.

Ergebnisse

Die Analyse enthüllt Peer-Pressure als implizites Governance-Instrument, das Freiwilligkeit simuliert, während es Konformität erzwingt. Im Apero-Doodling wird die Offenlegung privater Details (z. B. "Vertrage heute nur vegane Optionen, da moralisch überlegen") zu einer Norm, die durch öffentliche Sichtbarkeit verstärkt wird. Wer abweicht – etwa durch ein "Fleisch ist okay" – riskiert implizite Urteile, die in der "Familien"-Atmosphäre als sanfte Korrektur getarnt sind. ("Ich wollte eigentlich nicht singen, aber alle haben so lieb geschaut." – Mitarbeitende X)

Neuere Ergänzungen wie die Foto-Einwilligung verstärken dies: Ein simpler Klick, low Effort, doch das Fehlen desselben erfordert potenzielle Rechtfertigung vor der Gruppe. ("Ich hab das Doodle zu spät gesehen, also wohl ja?" – Mitarbeitende Y) Hier zeigt sich das Paradoxon: Ethisches Bewusstsein (z. B. Datenschutz) ist theoretisch vorhanden, wird intern jedoch als entbehrlich betrachtet, weil "wir sind doch eine Familie".

Zwei weitere Absurditäten unterstreichen dieses Muster:

  1. Ungefragtes Geburtstagsgratulieren mit spontanem Gesang: Basierend auf Personalakten-Daten (die ja vorhanden sind, also nutzbar) wird der Betroffene bei Raumbetritt mit einem Chor überfallen. Nett gemeint, doch es ignoriert Präferenzen für Privatsphäre – ein Akt der "Fürsorge", der Zwang zur Dankbarkeit erzeugt.
  2. Ungefragte Zusendung von Food-Paketen: Adressen aus dem System werden genutzt, um "gut gemeinte" Pakete zu versenden, unabhängig von Allergien (z. B. Nüsse an Nuss-Allergiker). Die Intention ("Wir denken an dich!") übertrumpft Risiken, und Kritik wirkt undankbar – ein weiteres Beispiel für internalisierte Paradoxien.

Insgesamt dominieren implizite Normen: Non-Response wird als Zustimmung interpretiert, was die Last der Ablehnung auf das Individuum verlagert.

Ethics–Application Correlation HeatmapVisualising the paradox of ethical awareness and practical conduct in institutional settingsAwareness of Bias →Organisational Use of Bias →The Innocent Ignorance ZoneThe Righteous Blindspot BeltThe Efficient Hypocrisy CorridorThe Ethical Overconfidence ClusterPilotversuche laufen.Data source: internal self-assessment surveys (N = unvermeidlich)
Abbildung 1: Ethics–Application Correlation Heatmap

Diskussion

Das Fehlen von Non-Response als Indikator institutionalisierter Harmonie unterstreicht, wie Organisationen wie Universität X eine Kultur der scheinbaren Einheit schaffen. Ethische Standards, die extern propagiert werden (z. B. Veganismus als moralischer Imperativ), dienen intern als Werkzeug sozialer Kontrolle, ohne dass tatsächliche Einhaltung gefordert wird – solange die Oberfläche glatt bleibt.

Die "Familien"-Metapher legitimiert Grenzüberschreitungen: Wer ablehnt, stört die Harmonie und riskiert Isolation. Dies reproduziert Paradoxien, in denen Autonomie proklamiert, aber kollektiver Druck institutionalisiert wird. Vergleiche zu anderen Settings (z. B. Corporate Wellness-Programme) deuten auf ein breiteres gesellschaftliches Phänomen hin: Die "Angst vor Kuchen" – dem ultimativen Gruppensymbol – treibt Verhalten stärker als ethische Überzeugungen.

Empfehlungen für die Praxis

Um die identifizierten Paradoxien zu mildern, ohne die institutionelle Harmonie zu gefährden, schlagen wir folgende Maßnahmen vor:

  • Einführung eines "Nein-Kuchens" zur Normalisierung von Abweichung: Ein symbolisches Gebäck, das explizit für jene reserviert ist, die ablehnen, und somit Dissent sichtbar, aber harmlos macht.
  • Regelmäßige Schweige-Aperos, um Non-Response als performativen Akt zu etablieren: Stille Treffen, bei denen Schweigen als gültige Beteiligung gilt und keine Erklärung erfordert.
  • Ethik-Workshops mit verpflichtender Enthaltung: Schulungen, in denen Teilnahme optional ist, um die Logik der Freiwilligkeit selbst zu demonstrieren – ironischerweise durch Zwang zur Wahl.

Schlussfolgerung

Universität X bestätigt erneut, dass Verhalten in Gruppen primär durch "Angst vor Kuchen" – oder genauer: vor der sozialen Leere, die Ablehnung birgt – bestimmt wird. Diese Studie plädiert für eine Reflexion: Könnte echte Freiwilligkeit entstehen, wenn Non-Response als gültige Option anerkannt würde? Bis dahin bleibt das institutionalisierte "Ja" ein Meisterwerk der unfreiwilligen Reproduktion – charmant absurd, doch mit realen Kosten für kritisches Denken. Die Ergebnisse dieser Studie sind zur Nachahmung ausdrücklich nicht empfohlen.

Keine Tiere und keine Datensätze wurden bei dieser Studie verletzt;
lediglich ein Restbestand an kritischem Denken wurde leicht angekokelt.

PEER-REVIEWEDBY ACCIDENT